Ich arbeite mit Strassenkindern zusammen. Dabei sollte man annehmen, dass sie schwierige Schicksalsschlaege erlitten haben und jetzt jegliche Hilfe von Aussen freundlich aufnehmen wuerden; dass jeglicher Schritt in Richtung Wandelung, was eine Veraenderung der Wohnsituation mitsichbringt, sie gluecklicher machen wuerde. Doch leider ist das nicht die Wahrheit, die ich hier in La Paz mit einer speziellen Gruppe von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die die Strasse ihre Heimat nennen, vorfinde.
Die 15- bis schaetzungsweise 35- Jaehrigen leben im Zentrum der Stadt und ein Grossteil von ihnen putz Schuhe, um sich Essen, Trinken und Kleber, verwendet als betaeubende Droge, zu finanzieren.
Jeden Dienstag treffen wir uns im Namen unserer Organisation Alalay mit ihnen, um eine Aktivitaet, die eine edukative Wirkung haben soll, durchzufuehren und danach Fussball zu spielen. Zum Ende teilen wir einen Saft und Sandwiches aus.
Im Allgemeinen klingt alles nach einer relativ gut durchdachten Strassenaktivitaet. Doch damit diese funktionieren kann, muessen beide Seiten kooperieren. Aber woran sollte es fehlschlagen, denn theoretisch betrachtet sollte es keine Probleme von den Strassenkindern aus geben, denn es wird ihnen geholfen. Dass die Organisation keine Schwierigkeiten bereitet ist eigentlich auch klar.
In der Praxis sieht es mit dieser Gruppe allerdings so aus, dass wir dankbar sein koennen, wenn zumindest die Haelfte sich an die Regeln, wie zum Beispiel nicht betrunken zu den Aktivitaeten erscheinen oder anderen Personen Respekt zu erweisen, halten.
Heute ist die Strassenarbeit leider so verlaufen, dass ich keine Lust mehr habe, mit dieser Gruppe zu arbeiten. Angefangen mit einer Stunde zu spaetes Errscheinen der Grueppe, ueber Disskusionen in respektlosem Ton ueber belanglose Kleinigkeiten bis hin zu provokantes Ball wegschiessen in ein Gebuesch, dass nicht zu durchqueren ist (der Ball ist nun weg).
Es macht mach traurig, dass diese Jungen, Maedchen, Frauen, Maenner, Muetter und Vaeter nicht zwei Schritte weiterdenken- an eine Zukunft, in der die Situation vielleicht anders aussehen koennte. Bedauernswerterweise findet sich ein grosser Teil dieser Gruppe mit dem Leben auf der Strasse ab, einige sind sogar stolz darauf. Sagen, dass es in Ordnung sei, dass sie betrunken zur Aktivitaet kommen, denn schliesslich seien sie von der Strasse. Glueckwunsch!
Ich habe fuer meinen Teil aus dieser Sache gelernt, dass man bei Weitem nicht jedem helfen kann, auch wenn man lange mit den Personen ueber die problematische Situation, in der sie sich befinden, redet. Letztendlich muss speziell diese Gruppe vielleicht einmal auf die Nase fallen, um aufzuwachen und zu verstehen, dass ein Leben auf Strassen, auch wenn es noch so viel Freiheit und Abenteuer mitsichbringt, keinem weiterhilft, vor allem nicht deren Kindern, und noch dazu unheimlich gefaehrlich ist.
Ich werde nicht mehr an der Strassenaktivitaet mit dieser Gruppe teilnehmen, wenn Alalay ueberhaupt noch welche durchfuehren sollte.
lass dich nicht unterkriegen, anna....
AntwortenLöschenes gibt sicher eine menge kinder und erwachsene, die dir für deine hilfe sehr dankbar sind...
aber du kannst eben nicht jeden "umerziehen" zu einem menschen, der dieselben ansprüche an das leben stellt, wie du....
es gibt tatsächlich menschen (auch in deutschland), denen es genügt, sich jeden tag betrinken oder bekiffen zu können, um glücklich zu sein
mach deine arbeit weiter und freue dich über jedes dankbare lächeln, jedes dankbare wort... und lass dich nicht von denen runterziehen, die dieses leben offenbar längst aufgegeben haben
ganz liebe grüße aus deutschland von ela und wolfgang