2012-09-27

Ein paar Fotos zur letzten Zeit

http://es.fotoalbum.eu/annaroe92/a726993

2012-09-18

Zurück zu Hause?

Seit genau 20 Tagen bin ich jetzt wieder im Lande, zurück in der kleinen Kleinstadt Neubukow. Zumindest physisch anwesend. ;-)
Am Donnerstag, den 29.08. kam ich in Hamburg am Flughafen an. Meine Eltern empfingen mich direkt am Ausgang mit einem großem Begrüßungsschild. Doch nicht nur sie, sondern auch zwei "junge Männer", dich ich im ersten Moment gar nicht erkannte. Nach einer kurzen Zeit realisierte ich, es handelte sich um meine beiden Cousins! Das war wirklich sehr merkwürdig. Aber die beiden sind innerhalb des Jahres so in die Höhe geschossen, dass ihre Gesichter einfach nicht mehr in meinem normalem Sichtfeld liegen. ;-)

Dann ging es weiter nach Hause. Am Ortseingang Neubukows standen zwei meiner besten Freundinnen, Wiebke und Tini, ein Plakat mit der Aufschrift "Welcome Home" in den Händen haltend. Es hatte mich wirklich sehr gefreut. Doch die Überraschungen waren damit noch nicht beendet. Als wir auf den Parkplatz vor unserem Haus fuhren, sah ich die ganze Familie versammelt, die auf mich warteten. Damit verschwand meine gesamte Müdigkeit. Mutti und Vati hatten auch noch Häppchen bestellt. Und damit war der Abend nahezu perfekt: Zusammensein mit der Familie und noch dazu Schwarzbrot, Butter auf dem Brot, Kohlrabi nach einem Jahr und guter deutscher Käse. Sensationell ;-)

Dieses Willkommenheißen war wirklich sehr schön. Doch zugegebenermaßen wollte ich nicht gerne den Hamburger Flughafen, und damit den symbolisch internationalen Raum, verlassen, um Deutschland wieder zu betreten. Es kostete mich sogar sehr viel.

Deutschland im August 2011 zu verlassen, viel mir nicht so schwer, wie aus Bolivien zu gehen, da es ein Abschied für immer darstellt. Natürlich kann ich La Paz, meine Gastfamilie, die Jungs aus dem Heim und meine Freunde vielleicht in drei Jahren wieder besuchen. Doch das Leben, welches ich dort führte, werde ich in der Form nicht wiederhaben. Und noch dazu ist es realistisch gesehen nicht möglich, alle Personen, die ich gerne wiedersehen wollen würde, in drei Jahren wieder anzutreffen, nicht wahr?

Ich war bereits auf dem Rückkehrseminar in Berlin, mit ungefähr 40 anderen Freiwilligen, die überall auf der Welt ein FSJ absolvierten.
Es fühlte sich bei allen ungefähr gleich an. Alle sind zwar zurück, aber irgendwie doch noch nicht angekommen. Es ist sehr unreal, ich bin zum Beispiel wieder in meinem alten Trott, doch diesen Trott kann ich eigentlich so nicht weiterführen, weil ich so viel in diesem einen Jahr erlebt habe, was ich nicht vergessen möchte.

Doch in der Zwischenzeit hat sich für mich nach vielen Bewerbungsgesprächen und langen Zugfahrten von Hamburg nach Berlin etwas Neues ergeben (darum auch der überaus verspätete Blog-Eintrag). Ich werde am 01.10. ein duales Studium in Kooperation mit dem Unternehmen Service-Bund (www.servicebund.de) beginnen. Die Theoriephase findet in Hamburg statt und die Praxis in einem Standort dieses Verbandes.

Sollte es etwas Neues aus Bolivien geben, werde ich schreiben.

Meldet euch bei mir, falls sich während des Jahres jemand dazu entschieden hat, eine Patenschaft für ein Kind, dass sich in der Obhut ALALAYS befindet, zu übernehmen. (-;

2012-08-01

Wenn Träume wahr werden

Die Mädchen aus dem anderen Heim ALALAYS sind zu Besuch. Der Tisch ist gedeckt mit Kuchen, Torte, Bunelos (eine bolivianische Spezialität ähnlich wie Mutzen), Donuts und Kakao. Sogar eine andere Tischdecke wurde aufgedeckt.
Alle warten gespannt auf die Worte Diegos, einem 19-Jährigem Jungen, der nun die Chance hat, seinen Traum zur Wahrheit werden zu lassen.
Unter Tränen dankt er allen, seiner Familie ALALAY und wünscht allen das Beste. Er entschuldigt sich bei einigen Mitbewohnern für vielleicht nicht immer korrektes Verhalten. Und zum Schluss wünscht er sich, dass sich sein Traum erfüllt - er für acht Monate in Österreich studieren kann.
Am Donnerstag fliegen er und ein paar andere Mädchen ALALAYs nach Europa, um in Linz zusammen mit der Wiender Philharmonie aufzutreten. Die Mädchen und Diego spielen zusammen in einem Orchester.
Doch für Diego ist dies nicht alles. Er wird drei Monate länger in Österreich bleiben, um für die Aufnahmeprüfung der Musikuniversität zu üben. Sein Traum ist es, Violinenspieler zu werden und ich bin mir ganz sicher, dass er das Studium an dieser Universität kriegen wird.
 "Etwas anderes als Kunst kann ich nicht", sagte er bei seiner Abschiedsrede (was ich für eine Lüge halte). "Aber ich weiß, dass dies mein Weg sein wird."
Wir sehen ihn also dann in 20 Jahren als Geiger der Wiener Philharmnonie spielen (-;

Um die Geschehnisse des letzen Blogeintrages weiterzuführen-wir arbeiten nicht mehr mit der Gruppe des Prados. In einem Meeting beschlossen wir, keine Straßenaktivitäten mehr mit ihnen durchzuführen, sondern nur noch einzelnt mit ihnen zu arbeiten. Ich halte dies für eine sehr gute und vor allem effektievere Lösung, denn somit kann die Hilfe individueller angesetzt werden. Zum Beispiel müssen einige ins Krankenhaus aufgrund von Schwangerschaft oder Krankheit, andere sind auf der Suche nach einem Zimmer oder wiederum andere möchten Arbeit finden. Natürlich sind nicht alle der Gruppe ambitioniert ihrere Situation zu verbessern. Und immernoch würde niemand von ihnen in ALALAY eintreten und seine Freiheit verlieren.
Ich war allerdings niemals an dem Punkt, aufzugeben. Ich wollte in dem letzten Blogeintrag nur erklären, wie die Situation zwischen den Hilfsorganisationen und Straßenkindern aussieht. Dass sich die Situation insofern verändert hat, dass nicht alle ein Zuhause suchen, sondern viele das Leben auf der Straße bewusst aussuchten.
Zudem ist zu sagen, dass ihre Abhängigkeit vom Kleber, ganz klar eine Drogenabhängigkeit, den gesamten "Verbesserungsprozess" sehr erschwert und man in vielen Fällen eigentlich eine Entzugskur ansetzten müsste. 

2012-07-17

Aussichtslos

Ich arbeite mit Strassenkindern zusammen. Dabei sollte man annehmen, dass sie schwierige Schicksalsschlaege erlitten haben und jetzt jegliche Hilfe von Aussen freundlich aufnehmen wuerden; dass jeglicher Schritt in Richtung Wandelung, was eine Veraenderung der Wohnsituation mitsichbringt, sie gluecklicher machen wuerde. Doch leider ist das nicht die Wahrheit, die ich hier in La Paz mit einer speziellen Gruppe von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die die Strasse ihre Heimat nennen, vorfinde.
Die 15- bis schaetzungsweise 35- Jaehrigen leben im Zentrum der Stadt und ein Grossteil von ihnen putz Schuhe, um sich Essen, Trinken und Kleber, verwendet als betaeubende Droge, zu finanzieren.
Jeden Dienstag treffen wir uns im Namen unserer Organisation Alalay mit ihnen, um eine Aktivitaet, die eine edukative Wirkung haben soll, durchzufuehren und danach Fussball zu spielen. Zum Ende teilen wir einen Saft und Sandwiches aus.
Im Allgemeinen klingt alles nach einer relativ gut durchdachten Strassenaktivitaet. Doch damit diese funktionieren kann, muessen beide Seiten kooperieren. Aber woran sollte es fehlschlagen, denn theoretisch betrachtet sollte es keine Probleme von den Strassenkindern aus geben, denn es wird ihnen geholfen. Dass die Organisation keine Schwierigkeiten bereitet ist eigentlich auch klar.
In der Praxis sieht es mit dieser Gruppe allerdings so aus, dass wir dankbar sein koennen, wenn zumindest die Haelfte sich an die Regeln, wie zum Beispiel nicht betrunken zu den Aktivitaeten erscheinen oder anderen Personen Respekt zu erweisen, halten.
Heute ist die Strassenarbeit leider so verlaufen, dass ich keine Lust mehr habe, mit dieser Gruppe zu arbeiten. Angefangen mit einer Stunde zu spaetes Errscheinen der Grueppe, ueber Disskusionen in respektlosem Ton ueber belanglose Kleinigkeiten bis hin zu provokantes Ball wegschiessen in ein Gebuesch, dass nicht zu durchqueren ist (der Ball ist nun weg).
Es macht mach traurig, dass diese Jungen, Maedchen, Frauen, Maenner, Muetter und Vaeter nicht zwei Schritte weiterdenken- an eine Zukunft, in der die Situation vielleicht anders aussehen koennte. Bedauernswerterweise findet sich ein grosser Teil dieser Gruppe mit dem Leben auf der Strasse ab, einige sind sogar stolz darauf. Sagen, dass es in Ordnung sei, dass sie betrunken zur Aktivitaet kommen, denn schliesslich seien sie von der Strasse. Glueckwunsch!
Ich habe fuer meinen Teil aus dieser Sache gelernt, dass man bei Weitem nicht jedem helfen kann, auch wenn man lange mit den Personen ueber die problematische Situation, in der sie sich befinden, redet. Letztendlich muss speziell diese Gruppe vielleicht einmal auf die Nase fallen, um aufzuwachen und zu verstehen, dass ein Leben auf Strassen, auch wenn es noch so viel Freiheit und Abenteuer mitsichbringt, keinem weiterhilft, vor allem nicht deren Kindern, und noch dazu unheimlich gefaehrlich ist.
Ich werde nicht mehr an der Strassenaktivitaet mit dieser Gruppe teilnehmen, wenn Alalay ueberhaupt noch welche durchfuehren sollte.
Traurig aber wahr: Wenn wir nicht mehr mit dieser Gruppe arbeiten, gibt es immernoch zig andere, die es tun und den Strassenkinder speziell dieser Gruppe, das Leben ein bisschen bequemer machen, so dass es praktisch gesehen nicht notwendig ist, in ein Kinderheim, beispielsweise einer NRO wie Alalay, einzutreten.

2012-06-12

Peru- so wie Bolivien nur zwei Schritte voraus

Man koennte annehmen, es gaebe Boliven ein zweites Mal. 
Faehrt man ein paar Stunden gen Nordwesten ueber die Grenze, findet man so ziemlich alles noch einmal, was Bolivien ausmacht: Salteñas, traditionelle Taenze, Kumbiamusik, das Maisgetraenk Api und sogar Cholitas. Also nun die Frage, wer hat was von wem geklaut?
Die Bolivianer sind sich sicher, dass es auf jeden Fall die Peruaner sind, die derzeit die bolivianische Kultur und Tradition kopieren. Ich kann es weiss Gott nicht sagen. Es koennte natuerlich einfach sein, dass die Traditionen schon vorhanden waren, bevor die Grenzen gezogen wurden. (-: Aber was solls.

Eine Woche machten zwei Freundinnen und ich uns mit unseren Ruecksaecken auf, um Peru besser kennenzulernen. Zugegeben waren wir davor von sehr vielen Vorurteilen beeinflusst: Dass Peruaner klauen, sie unfreundlich seien und Lima eine verrauchte Stadt sei, in der man es keinen Tag aushalten wuerde.

Wie gut ist es, schlechte Erwartungen zu haben, denn die koennen diese sehr gut uebertroffen werden. Meine nach dieser Reise sogar im grossem Masse. 

Nicht nur, dass die Peruaner, die wir kennengelernt haben, super freundlich und hilfsbereit waren, auch Lima ist bis jetzt eine der beeindruckensten Staedte, die ich bisher gesehen habe. Die Neun-Millionen Metropole bringt schon etwas Chaotisches mit sich und auch die Sonne schaffte es nicht durch die Smogwolken, die stetig bleiben, weil in Lima kein Lueftchen weht. Aber dennoch gab es viele grosse Parkanlagen, schoene alte Bauwerke aber auch moderne Haeuser. Am bemerkenswertesten fande ich den Kontrast zwischen Traditionellem und Modernem. So verkaufte eine Cholita zum Beispiel frische Maiskolben mit Kaese direkt neben McDonalds.

Arequipa

Galapagos Inseln fuer die Armen


Lima

Oasis Huacachina
Die Reise hat sich fuer uns wirklich sehr gelohnt. Und ich hoffe ein bisschen fuer Bolivien, dass das Land vielleicht in zehn Jahren auch so weit ist wie Peru. 

2012-05-28

Alles Gute zum Muttertag!

Am Donnerstag Abend sind meine Gastmutti Veronica, meine Gastschwester Marianna und ich in eine Karaoke Bar gegangen, um in den Geburtstag von Vero reinzufeiern. 

Diese Bar ist wirklich der Wahnsinn, denn wenn man eine Reise zurueck in die 80er machen moechte, ist man dort genau richtig. Angefangen von grau-schwarzen Samtsofas, ueber Plastikblumen, Kuschelteppich, Spiegel an der Wand, um den Raum "groesser" wirken zu lassen bis hin zu Klassikern auf den Karaokemonitoren wie zum Beispiel der von Cindy Laupers "Girls Just Want To Have Fun". Einmalig, denn um ehrlich zu sein vermute ich, ist das Lokal nicht mit Absicht in dem Look, sondern einfach in der Zeit stehengeblieben. Aber es war trotzdem ein schoener Abend. 

In dem Moment, als wir gehen wollten, trafen wir besondere Freunde meiner Gastmutti, denn eigentlich muessten sie aufgrund von Korruption im Gefaengnis sein. Meine Gastmutti war einmal Richterin und kannte die vier Frauen von ihrer Arbeit. Sie waren auch einmal Angestellte im Gericht. 
Die "Straftaeterinnen" kamen erst sehr spaet in die Karaokebar, aber sind wohl nicht einfach aus dem Gefaengnis ausgebrochen. Darum vermuten wir, dass sie einfach den Gefaengniswaertern Geld gegeben haben, so dass die Frauen sich einen schoenen Abend machen konnten und dann puenktlich zum Fruehstueck wieder in das Gefaengnis zurueckgekehrt sind. Tja, so funktioniert also die Rechtspolitik in Bolivien! (-;

Gestern wurde hier Muttertag gefeiert und das ziemlich gross. Schon einen Monat vorher machten die Supermaerkte, Boutiquen, Restaurants und Pastellerien Werbung fuer diesen besonderen Tag, denn hier danken nicht nur die Kinder ihren Muettern, sondern jeder ehrt alle Muetter die er kennt. Aber die eigene Mutter oder Grossmutter ganz besonders. Marianna und ich machten Fruehstueck und zum Mittag kochte ein Gastonkel von mir lauter guter Dinge. Zum Beispiel hat er Chickenwings selber gemacht (so wie die, die Henner immer im Center Parks gegessen hat). War wirklich sehr lecker. 
Am Abend, denn das Mittagessen endete um 16:00 Uhr, konnte ich mich dann wirklich nicht mehr bewegen geschweige denn irgendetwas essen. Wir schauten "Extrem laut & unglaublich nah", ein Film, den ich sehr empfehlen kann. 

Ich wuensche allen Muttis das Beste zum Muttertag!

2012-05-18

Radiografie, Schwangerschaftstest und viel mehr


Wiedermal sind die Tage wie im Fluge vergangen.

Zugegebenermaßen war es eine sehr aufregende Woche und das lag vor allem an dem Fall Blanca.
Am Donnerstag ist sie 18 Jahre alt geworden und wir beiden hatten uns verabredet, um einen Schwangerschaftstest im Krankenhaus zu machen. Als Geburtstagsgeschenk erhielt sie ein positives Resultat. 

Man könnte meinen, es sei etwas Gutes, jedoch lebt Blanca zusammen mit ihrem Freund in einem kleinem Zimmer zusammen mit der Schwiegermutter und befindet sich tagsüber auf der Straße. Bereits mit 15 Jahren bekam sie ihr erstes Kind, doch die Defensoria, die hier so etwas wie das Jugendamt darstellt, nahm es ihr zu Recht aufgrund ihres Kleberkonsums weg.

Blanca weinte, als sie die Resultate erhielte, denn eigentlich wollte sie ihren ersten Sohn wieder zurück haben. Sie konsumiert nicht mehr. Mit der erneuten Schwangerschaft standen die Chancen allerdings schlecht.

Wir gingen alle Möglichkeiten durch: Abtreibung, das Baby behalten und groß ziehen oder das Baby bekommen und zur Adaption aufgeben.
Ich habe ehrlich gesagt versucht, sie von einer Abtreibung zu überzeugen, denn das Leben, das dem Baby bevorstehen würde, wäre kein leichtes. So viel steht fest.

Als wir uns am nächsten Tag wiedertrafen, teilte sie mir mit, dass sie das Baby behalten wollen würde. Ihr derzeitiger Freund möchte ein Baby mit ihr und sie könnte es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, ein Lebewesen zu töten, was ich voll und ganz verstehen kann. Nur wenn ich ganz praktisch und rational darüber nachdenke, hat mich ihre Entscheidung traurig und sogar ein bisschen wütend gemacht.

Andererseits sollte man das Ganze auch aus ihrer Sichtweise betrachten. Sie hat schon einmal ihr Kind verloren und möchte es jetzt einfach gut machen.
Und es gibt Familien, die auf der Straße leben, Kinder haben und diese auch zur Schule gehen und gute Noten nach Hause bringen.

Was mich nur traurig stimmte war der Fakt, dass sie ihren jetzigen Freund nicht liebt und er sie nicht gut behandelt.

Blanca und ich haben schon darüber nachgedacht, dass sie ihren Freund einfach zurücklässt und in Heim für junge, schwangere Mädchen geht. Ich hoffe, sie ist stark genug um diesen Schritt machen zu können.