2012-02-02

Potosí - zauberhafte Stadt auf 4065 Metern Hoehe

Am Mittwoch begann unser Halbjahrseminar in Sucre, der Hauptstadt von Bolivien. Wir haben viel reflektiert, Erfahrungen ausgetauscht und erzaehlt, denn alle Freiwilligen von ICYE Bolivia trafen sich dort. Zwischendurch hatten wir aber auch Zeit, die Stadt anzuschauen. Und wie schoen sie ist! Die spanischen Kolonialisten lebten hier damals und das spiegelt sich auch in der Architektur wieder. Enge Strassen und Gassen, mit Haengeschilder quer zu den Hauswaenden, die fuer schone Cafés und so weiter werben.
Sucre wird auch "die weisse Stadt" genannt und tatsaechlich ist der Stadtkern nahezu komplett weiss. Auf jeden Fall uebertrifft Sucre Heiligendamm (-; . Nur das Meer fehlt.

Von Sucre sind es nur drei Stunden bis in die naechste atemberaubende Stadt Potosí- neben Wenschuan in Tibet hoechstgelegenste Grossstadt der Welt.
Auch hier gibt es Kolonialbauten, aber alles meiner Meinung nach viel mehr im bolivianischem Stil. Damit moechte ich das Land nicht beleidigen, aber es ist zum Beispiel nicht so wichtig, dass alles heil sowie in Stand ist. Oder dass alle Farben (meinem Geschmack nach) zusammenpassen. Auf den Strassen laufen die Cholitas und Minenarbeiter und es gibt viel mehr Strassenverkaeufer und Charme. Potosí ist irgendwie viel echter.

Aber hinter den Gebaudewaenden, hinter den Falten der Bewohner, verbirgt sich eine grausame Geschichte.
Die Stadt liegt dem gigantischem Cerro Rico zu Fuessen, einst die wertvollste Silberquelle der Welt, was Potosí im 16./17. Jhd. groesser machte als Paris.
Die Bolivianer mussten in den Minen Stunden arbeiten, ausgebeutet ohne ausreichend Licht, Essen, Trinken und Luft.
Auch wir machten uns auf, um den Berg von innen zu sehen. Mit Gummistiefel und Helm traten wir in die Mine ein, entlang den mit Wasser bedeckten Schienen immer tiefer ins Innere des Silberberges. Es war sehr eng und ab und zu mussten wir in die Hocke gehen. Um so mehr wir voran gingen, umso enger wurde die Luft und immer mehr roch es nach Dynamit. Dann bogen wir ab und kletterten einen Hang hinauf, bis wir Licht sahen. Dort sassen zwei Minenarbeiter, die sich ausruhten und auf Coca kauten. Wir sassen uns zu ihnen und plauschten ein bisschen.
Ich haette niemals gedacht, dass die Mineros so viel verdienen.In einem Buch aus den 60er und 70er hatte ich gelesen, dass sie unter grausamen Lebensumstaenden leben muetssen, weil der Verdienst noch nicht einmal fuer ausreichend Essen ausreichen wuerde. Aber diese Maenner, welche allerdings schon soetwas wie Chefs waren, verdienen 8000 Bolivianos im Monat. Die Arbeitsstunden belaufen sich zwischen 25 bis 30 Stunden in der Woche. Sie arbeiten in einer selbststaendigen Gemeinschaft, das heisst, sie entscheiden wann und wie viel sie arbeiten. Am Samstag gehen sie zu einem Unternehmen, das ihnen das Silber, Bronze, Zinn und Zink abkauft.
Zum Vergleich: Evo Morales, der Praesident von Bolivien verdient 15000 Bolivianos im Monat.
Mit dem Gedanken konnte ich Montag Abend beruhigt nach Hause fahren. Ich hoffe nur, dass es auch alles der Wahrheit erspricht, was ich erfahren habe.

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