Am Wochenende kam das Ereignis, vor dem ich zugegebener Massen am meisten Angst hatte- Weihnachten. Ohne meine Familie. Aber auch nur fast.
Wir sind zu meiner Gastomi nach Cochabamba gereist, um dort mit der gesamten Gastfamilie Weihnachten zu verbringen. Und es war so herzlich, dass ich nicht traurig war.
Alles begann mit dem Weihnachtsbaumschmuecken. Ich muss sagen, ich habe noch nie einen so bunten Weihnachtsbaum gesehen. Von pinken Sternen mit silbernen und goldenen Glitzerecken bis hin zu lilanen Kugeln mit Stoffspitze. Einfach unglaublich.
Mit dem Plastikbaum hat natuerlich der Tannenduft (und die Begutachtung von Opi und Holger, ob der Baum besser ist als deren (-; ) gefehlt, aber auf der anderen Seite finde ich es auch ein bisschen sinnlos, jedes Jahr einen Baum zu faellen, um ihn fuer drei Wochen im Wohnzimmer stehen zu haben. Auch wenn es Tradition ist.
Am 23. Dezember durfte ich unser typisches Weihnachtsessen zubereiten- Kartoffelsalat mit Wuerstchen. Ich glaube, es hat alles ganz gut geschmeckt. Allerdings nehme ich an, es war ihnen ein bisschen zu wenig Fleisch.
Denn allein fuer das traditionelle La Paz Weihnachtsessen- Picarna, lagerten zwei Waeschewannen voll mit Rind, Schwein und Haehnchen in der Vorratskammer.
Der Weihnachtsabend begann eigentlich erst um 23:00 Uhr. Bis davor haben noch fast alle Geschenke eingekauft und verpackt.
Meine Gastcousins haben getanzt und gesungen, danach wurde der Countdown bis um Punkt 12 runtergezaehlt und dann haben sich alle beglueckwuenscht und umarmt. Ich habe es wie Sylvester empfunden.
Um 01:30 haben wir dann letztendlich gegessen, nachdem die Geschenke verteilt wurden. Ich konnte wegen des ganzen Fleisches in der Nacht kein Auge zu machen. (-;
Am naechsten Tag haben wir nichts besonderes gemacht. Wir sind zusammen durch die Stadt gegangen, haben Film geguckt und eine Menge gegessen- so wie es Weihnachten wahrscheinlich in aller Welt ist.
Das Haus der Gastomi ist in der Zona Nor gelegen, das Reichenviertel von Cochabamba. Die Stadt ist wunderschoen. Man geht durch die flachen Strassen, alle Leute sind entspannt- das heisst man muss nicht Schlengellinien durch die Menschenmassen wie in La Paz gehen. An den Baeumen, Straeuchern und auf den Wiesen sind ueberall Blumen.
Aber auf der anderen Seite ist mir aufgefallen, dass man an jedem Ort Propaganda finden kann- und das nicht zu knapp. Ganze Fronten von Einkaufszentren werden als Werbeanzeige genutzt. Das zerstoert ein bisschen das Landschaftsbild.
Und ich moechte nicht wissen, wie gross der Einfluss von Coca Cola in Bolivien ist. Auf jeden Fall eines der Marktfueher. Wir wohnten direkt neben dem Haus von Papa Noel- eine von Coca Cola umgebaute Schule als Heim vom Weihnachtsmann. Es hat mich wirklich traurig gemacht, wie dort die Kinder beeinflusst wurden. Auf dem Nachttisch vom Papa Noel stand zum Beispiel ein Glas Cola und sogar die Eisbaeren hatten eine Flasche Cola am Maul.
Abends standen bis zu 200 Eltern mit ihren Kindern vor dem Haus, um den Weihnachtsmann zu sehen. Wirklich zu schade, was die Kinder hier fuer ein Bild bekommen haben...
Der Weihnachtsmann kommt doch aus Finnland! ... Und nicht aus der Coca Cola Fabrik.
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