2011-10-20

Mein Arbeitstag

Um neun Uhr beginnt mein Arbeitstag, den ich zusammen mit einer daenischen Freiwilligen starte. Wir gehen eine halbe Stunde durch Strassen und Gassen in der Rushhour von La Paz zu unserem Arbeitsort. Auf dem Weg kaufen wir uns immer im gleichem Geschaeft ein Tuete Wasser (hier bekommt man nahezu alles in Tueten) und dann geht's auf zu unseren Jungs. Vormittags befinden sich noch drei der Kleineren, die in der zweiten Etappe sind, im Haus. Sie spielen fast den ganzen Tag mit ihren Dreideln. Sie sind wirklich unglaublich darin. Sie koennen zum Beispiel den drehenden Dreidel mit der Schnur hochheben, auf die Hand nehmen (waehrend er sich weiter dreht) und dann werfen sie ihn auf Bierdeckel, um die Metallstuecke durch das Haus zu schiessen.
Ein paar Groessere sind auch vormittags im Haus. Diejenigen, die nicht arbeiten. Sie liegen dann auf der Couch, waschen ihre Waesche oder spielen Gitarre. Aber einer von ihnen kann jetzt nicht mehr vormittags rumlungern...
Heute bin ich mit ihm losgegangen, um Arbeit zu suchen. Er hat schon mal fuer zwei Jahre in einer Pastellerie gearbeitet. Wir waren in sehr vielen Geschaeften und in einem Laden konnte er heute Nachmittag gleich Probearbeiten. Und am Montag geht es fuer ihn los. Der war vielleicht gluecklich...  Seit April ist er arbeitslos und von dem Haus Alalaz abhaengig. Er ist schon 18 Jahre alt, also eigentlich sollte er naechstes Jahr ausziehen. Das koennen die Jungs aber nur, wenn sie Geld haben. Und das verwaltet Julia- meine Chefin. Dann arbeiten im Haus noch ein Paedagoge, der oder die fuer eine Woche im Haus bleibt, und dann kommt der oder die jeweils andere. Ausserdem gibt es einen Psychologen, eine Koechin (so ein richtiges Waschweib, aber doch irgendwie ganz lieb) und einen Relegionslehrer. Er ist nur fuer den spirituellen Part zustaendig, und erzaehlt Geschichten mit religioesem Hintergrund und so weiter.
Wahrscheinlich glaube ich auch an Gott, wenn ich wieder zurueck komme... Auf jeden Fall ist der Glaube hier ein sehr wichtiger Part. Vor dem Essen und nach dem Essen wird gebetet. Unser Meeting beginnt immer mit einer kleinen Geschichte, und das gesamte Haus geht sonntags zur Kirche.
Ich finde das nicht schlecht. Ganz und gar nicht, was aber nicht bedeutet, dass ich in Gott glaube. Ich habe nur bemerkt, dass es den Kids unheimlich viel Kraft gibt.
Um 12:30 Uhr holen wir die andern kleineren Jungs von der Schule ab. Dann gibt es Mittag mit Suppe, Hauptgang und Refresco und dann muessen die Jungs ihre Hausaufgaben machen.
Ein Junge geht nachmittags zur Schule, also bringen wir ihn hin. Das ist nur sehr schwierig, weil es ueberhaupt nicht mag, eine Begleitung haben zu muessen. Also laeuft er immer vor, versteckt sich und wir gehen ohne ihn zur Schule. Dann ist er, wie auch immer, schon laengst da und steht vor dem Eingang. Er schaut, dass wir sehen, dass er in die Schule geht. Sobald er das gemacht hat, gehen wir wieder zurueck.
Am Nachmittag unternehmen wir was Schoenes. Wir basteln, gehen in den Park, spielen Fussball oder schauen einen Film. Aber mein Lieblingstag ist Donnerstag. Das ist der Backtag. Wir machen so um die 100 Kekse, um sie dann im Institut von meiner Mutti zu verkaufen. 3 Galletas para 4 Bolivianos. Das erledigen wir Freitag Vormittag.
Das letzte Mal konnten sich die Jungs etwas wuenschen, was sie mit dem verdientem Geld machen wollen. Tja, und sie wollten einmal essen gehen. Wir hatten nicht so viel Geld fuer jeden verdient. Aber es reichte fuer Haehnchen mit Pommes und Reis (80 cent) und Cola. Das war wirklich ein richtig schoenes Erlebnis. Auch wenn es kein schoenes Restaurant war.
Um 17:00 Uhr ist mein Arbeitstag normalerweise zu Ende, aber das variiert eigentlich. Ich kann auch um 11:00 Uhr kommen und dafuer um 19:00 Uhr Feierabend machen.

An meinem Arbeitsort fehlt es an Vielem. Das Dach hat Loecher, so dass es reinregnet. Dann stehen zum Beispiel auf dem Tische Becher, damit das Wasser dort hineintropft. Noch war es kein grosses Problem, denn im Herbst und Winter gibt es nicht viel Regen. Doch mit dem Fruehling wird er kommen.  
Ausserdem gibt es ein Loch im Holzfussboden, so ungefaehr 15x5 cm gross. Ich habe Angst, dass eines Tages dort mal jemand einbricht, vor allem, weil die Jungs dort immer rumtoben.
Aber: Die Jungs haben ein Zuhause, sie kriegen Essen, Kleidung und im November wollen wir sogar verreisen. Und sie haben Menschen, die sich um sie kuemmern und denen ihre Zukunft wichtig ist. Es macht wirklich Spass, an so einem Ort zu arbeiten

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