In der Stadt ist gerade ziemlich viel los, weil zum einen die Marchistas der Region Tipnis erwartet werden und zum anderen am Sonntag Wahlen stattfinden werden.
Tipnis ist ein Nationalpark zwischen den Departsments Cochabamba und Beni. Die Protestanten kommen groessten Teils aus der Region um Cochabamba und maschieren schon seit ca. 3 wochen. Mit dem Bus faehrt man von La Paz ca. 9 h. Es gibt viele Proteste vor allem hier in La Paz, weil die Polizei sehr rabiat mit diesen Protestanten umgegangen ist. Zwei Kinder sollen wegen ihnen schon gestorben sein, die Leichen wurden aber noch nicht gefunden. Alles ist ziemlich umstritten. Viele denken, dass die Opposition einfach ihre Finger mit im Spiel hat und sich die Todesfaelle nur ausgedacht hat, um die Regierung Evo Morales zu schwaechen.
Die Marchistas kommen, um ihren Unmut ueber einen Strassenbau kundzugeben. Diese Schnellstrasse wuerde genau durch ein Naturschutzgebiet fuehren, in dem auch Coca, Edelhoelzer und Soya angebaut werden. Das ist nicht das einzige Fragwuerdige... Finanziert wird der Bau der Strasse durch die Brasilianische Entwicklungsbank. Es werden schon Vermutungen laut, dass es einen geheimen Vertrag mit den Regierung von Brasilien und Bolivien gibt.
Ich verstehe die ganze Situation nicht. Und ich habe auch das Gefuehl, dass die Menschen hier nicht mehr so ganz die Lage peilen. Natuerlich bedeutet ein Strassenbau in jedem Fall ein Fortschritt fuer die Infrastruktur, allerdings sollte man meiner Meinung nach die ganze Situation durch eine neutrale Institution pruefen lassen. Viel zu viel Widersprueche gibt es im ganzen Geschehen... Zum Beispiel gibt es Gegenproteste zu den Tipnis, aber diese sind groessten teils Campesinos, Landbewohner, die nach der Tradition des Pachamamas leben. Eine Frau dieses Gegenprotestes fragte ich, was fuer eine Schuessel sie dort in der Hand hielt, denn darin waren Kraeuter die sie anzuendete. Sie antwortete mir, dass dies Kraeuter seien, um der Pachamama zu ehren. Dieser Strassenbau wuerde allerdings ganz und gar gut fuer "Mutter Erde" sein. Also worum geht es hier eigentlich noch?
Nach den Wahlen am Sonntag werden die Tipnis in der Stadt erwartet. Viele sprechen von 10 000en, die weder die passende Kleidung fuer die Kaelte von la paz haben, noch Geld fuer essen. Und sie kommen mit Babies und Kindern...
Der zweite grund fuer den Unmut in der stadt sind die Wahlen am Sonntag. Was ich ersteinmal amuesant finde, ist, dass alle Lokale schon am Samstag Abend geschlossen haben, auch am Freitag hat ab um 24:00 Uhr alles geschlossen. Es soll ja kein bolivianer am Sonntag verkatert waehlen (-; Das kann man allerdings gut auf die leichte Schulter nehmen, auch wenn ich finde, dass es wie im Kindergarten ist.
Was gar nicht meinem Verstaendnis von Demokratie entspricht, sind die Wahllisten.
Es geht um eine komplette Neuaufstellung der Minister der Judikative. Alles schoen und gut, dass das Volk alle selber waehlen kann. Im ersten Moment denkt man, es sei eine direkte Demokratie. Allerdings sind alle dieser zur Wahl aufgestellten Personen von der Regierung auserwahlt, das heisst keine Representanten des Volkes, die neutral sind, sondern alles Befuerworter der Regierung. Tja, was soll man dazu sagen! Auf jeden Fall waehlen aufgrund dessen viele Bolivianer erst gar nicht. Jetzt wird abgewartet, ob diese Stimmen am Sonntag auch bei der Wahl mit eingerechnet werden.
Dynamit haben einige Protestanten wirklich! Leider weiss ich nicht, wofuer diese demonstrierten. Aber es waren Mineros, also Minenarbeiter aus Oruro. Hm, viel los in La Paz. Aber ich gehe jetzt trotzdem zum Salsa (-;
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