Es wird Herbst bei uns in Bolivien, und bald beginnt der eisig kalte Winter.
Mir macht es nichts aus, doch die Mädels in dem Freiwilligenappartment, was bereits als die dunkle Kellerwohnung nur mit kaltem Wasser bekannt ist, fürchten sich schon jetzt. Zu gutem Recht.
Mir macht es nichts aus, doch die Mädels in dem Freiwilligenappartment, was bereits als die dunkle Kellerwohnung nur mit kaltem Wasser bekannt ist, fürchten sich schon jetzt. Zu gutem Recht.
Aber ich gehe noch einen Schritt weiter. Was passiert mit denjenigen, die noch nicht einmal eine Kellerwohnung haben? Diejenigen, die nichts haben, ausser der Kleidung, die sie tragen. Der Unterschlupf in den vielen Bankautomaten hier in La Paz ist begrenzt und viele können sich ein billiges Alojamiento, was dann wirklich nur eine Matratze in einem Raum wäre, auch nicht leisten. Denn wenn es keine Arbeitsgrundlage gibt, wie zum Beispiel ein Kasten mit Schuhputzmittel oder vielleicht kleine Süßigkeiten zum Verkauf, können die Kinder, Jugendlichen und Erwachsen, die in der Situation der Straße leben, kein Geld verdienen und sich somit keinen Schlafplatz leisten.
An diesem Punkt beginnt der Teufelskreis. Wenn sie wissen, dass ihnen eine eisige Nacht bevorsteht, müssen sie etwas gegen die Kälte unternehmen, sich dagegen betäuben und schmerzunempfindlich machen. Das bedeutet, Kleber, Alkohol oder Benzin und Spiritus konsumieren. So lange, bis sich die Wahrnehmungsfähigkeit auf einen starren Blick beschränkt.
Mich beschäftig t dieses Thema so sehr, weil vor genau einer Woche ein Junge namens Julio von der Schule nicht wieder ins Heim zurückgekehrt ist. Die anderen Jungs haben ihn mal getroffen und er sagte ihnen, dass es ihm gut gehen und er auf der Straße leben würde.
Niemand könnte ihn dazu zwingen, wieder zurückzukehren, aber dennoch mit ihm reden und versuchen ihn zu verstehen. Julio war auf einem guten Weg, bereits vier Monate im Heim und eigentlich davon überzeugt, dass es richtig sei dort zu sein und zur Schule zu gehen, anstatt auf der Straße „seine Freiheit zu genießen“.
Ich hoffe sehr, dass wir ihn bald finden können.
Ansonsten geht es mir weiterhin sehr gut. Zurzeit habe ich nur mal wieder irgendeine Infektion im Magen und muss deswegen zu Hause (in der Naehe von der Toilette) bleiben, aber das gehört schon fast zu meinem Alltag dazu J.
Dieses Woche wird in La Paz die Semana Santa gefeiert. Da viele der katholischen Religion angehören, essen viele keine Fleischprodukte und verzichten auf das Feiern bis einschliesslich Karfreitag. Viele Familien fahren raus aus der Stadt, nach Copacabana zum Beispiel oder in die Jungas, eine Dschungelregion drei Stunden entfernt von der Stadt. Ich bleibe aber hier, denn mein Gastvater reist am Samstag nach Kanada aus. Er sagt, es sei für drei Monate, aber ich bin mir fast sicher, dass ich ihn vor meiner Abreise in fünf Monaten nicht mehr wiedersehen werde.
Also dann bis zum nächsten Mal&frohe Ostern an alle!
p.s. Hier gibt es kinder Überraschungseier zu Ostern J
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